Overo Lethal White Syndrome

Sind Stute und Zuchthengst Träger des tödlichen Weißen Overo-Defekts (OLWS), wird bei ihrer Verpaarung mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent ein Fohlen mit weißer Fellfarbe geboren, dass in den ersten vier Lebenstagen qualvoll eingehen wird. Es wird in der Regel noch aufstehen und Muttermilch aufnehmen, aber es kann die Nahrung nicht mehr verdauen, wofür es keine medizinische Hilfe gibt. Eine solches Fohlen ist zweifellos, auch wenn es nach seiner Geburt rasch getötet wird, erheblichen Schäden, Leiden und Schmerzen ausgesetzt.

Die gezielte Verpaarung zweier bekannter OLWS Träger ist eine Qualzucht und ein Verstoß gegen §11b des deutschen Tierschutzgesetzes. Eine Feststellung, die von Dr. med.vet Christoph Mühlmann in seiner kürzlich veröffentlichten Doktorarbeit zur tierzuchtrechtlichen Bewertung bekannter Letaldefekte beim Pferd an der Universität Bern ausführlich begründet wird.

Die Wahrscheinlichkeit ein lebensfähiges Fohlen zu erhalten beträgt aus einer Träger Verpaarung 75 Prozent, die Wahrscheinlichkeit für ein nicht lebensfähiges weißgeborenes Fohlen 25 Prozent, hierauf spekulieren scheinbar einige Züchter. Für den Nachweis des OLWS Gen gibt es seit 1998 einen Gentest, der schon beim neugeborenen Fohlen angewendet werden kann. Hat eine Stute bereits ein nicht lebensfähiges weißes Fohlen gebracht, dann ist auch sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit OLWS Träger. Dies gilt auch für den Zuchthengst, sobald auch nur ein nicht lebensfähiger OLWS Nachkomme geboren wird, dann ist auch der Vater des Fohlens mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als OLWS Genträger identifiziert. Ein solcher Stutenbesitzer muss den Hengsthalter vor der Verpaarung nach dem OLWS Gentest fragen, um das Risiko einer wiederholten Todgeburt zu umgehen und auch der Hengstbesitzer muss aufklären. Da hilft auch keine Lebendfohlengarantie des Hengstbesitzers, sie ist aus meiner Sicht hier auch mehr als sarkastisch. Nicht lebensfähige weißgeborene Fohlen sollten einem Zuchtverband daher auch konsequent gemeldet werden. Frame Overo Schecken sind normalerweise zugleich auch Träger des OLWS Defektgens, ein eindeutiges Ergebnis amerikanischer Wissenschaftler, aber unter den Züchtern noch zu wenig bekannt. Wenige Ausnahmen bestätigen hier die Regel, doch darauf sollte kein Züchter spekulieren.

Um die Geburt nicht lebensfähiger OLWS Doppelgenträger vollständig auszuschließen, dürfen die Träger nicht miteinander verpaart werden. Da die Overo Frame Scheckung aber auch von anderen Schecktypen äußerlich überdeckt werden kann und selbst bei scheinbar einfarbigen Pferden in Einzelfällen auftreten wird, bringt nur ein OLWS Gentest in den betroffenen Rassen hier eindeutige Sicherheit, und dies vor einer ersten Verpaarung der Tiere. Ein konsequenter Ausschluss aller OLWS Träger bedeutet andererseits zugleich den Verlust der beliebten Frame Overo Scheckung, die sich nicht nur im Paint Horse und vereinzelt auch im Quarter Horse, sondern zum Beispiel auch im Shetland Pony, Araber, Pony of the Americas, american Miniature Horse und im Pinto befindet.

Ein Ausschluß der Genträger könnte in einigen Rassen darüber hinaus zweifellos auch den Verlust wertvoller Linien und Leistungsgenträger bedeuten. Sollen sie erhalten werden, dann ist verantwortungsbewusster Umgang mit dem Erbfehler OLWS erforderlich und dies betrifft auch die Zuchtverbände. OLWS Genträger dürfen nur mit OLWS Nichtträgern verpaart werden, dies verhindert das Auftreten nicht lebensfähiger weißgeborener Fohlen und erhält zugleich die Frame Overo Scheckung in einer Rasse. Wer sich hier auf die Lotterie einer Verpaarung ungetesteter Pferde einlässt, Testergebnisse nicht eindeutig hinterfragt oder gar unkorrekte Angaben macht, schadet nicht nur den Pferden, sondern dem Ansehen aller Pferdezüchter.


Quelle: phcg.info/olws/